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ISO 4406

Neue Hydraulikanlage richtig spülen

Eine neue Hydraulikanlage ist innen nie sauber: Zunder, Späne, Schlauchabrieb und Montageschmutz stecken in Rohren, Tank und Schläuchen. Wer sofort in Betrieb geht, treibt diesen Schmutz durch Pumpe und Ventile und riskiert Frühausfälle. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie eine Anlage vor dem ersten Lauf auf die geforderte Ölsauberkeit spülen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Hydraulik-Spezialisten
Hydraulik-Ratgeber ansehen
ISO 18/16/13
Typische Zielsauberkeit nach ISO 4406
> 4000
Reynoldszahl für turbulente Spülung
2-3x
Spül-Flow gegenüber Betriebsdurchfluss
40-60 °C
Empfohlene Spültemperatur
Inhalt
  1. Warum spülen
  2. Vorbereitung
  3. Durchführung
  4. Freigabe
  5. Häufige Fragen

Warum muss eine neue Anlage überhaupt gespült werden?

Fertigung, Transport und Montage hinterlassen Partikel im System: Schweißzunder und Rost aus Rohren, Späne aus Gewinden, Abrieb aus Schläuchen und Staub aus offenen Anschlüssen. Schon wenige Gramm harter Partikel genügen, um Kolbenpumpen, Proportional- und Servoventile mit engen Steuerspalten dauerhaft zu schädigen. Ein neues System startet daher oft schmutziger als ein eingelaufenes. Ziel des Spülens ist es, diesen Restschmutz auszutragen, bevor er die empfindlichen Bauteile erreicht.

  • Schutz von Pumpe, Proportional- und Servoventilen vor Verschleiß und Klemmern.
  • Erreichen der vom Komponentenhersteller geforderten Ölsauberkeit vor der ersten Last.
  • Vermeidung von Frühausfällen, Leckagen und teuren Stillständen in der Einlaufphase.
  • Dokumentierte Sauberkeit als Nachweis für Abnahme und Gewährleistung.
Servo- und Proportionalventile verlangen oft ISO 4406 16/14/11 oder sauberer. Prüfen Sie die Zielklasse jeder Komponente und richten Sie das Spülen an der empfindlichsten aus.

Wie bereite ich die Anlage aufs Spülen vor?

Vor dem Spülen werden die empfindlichen Verbraucher überbrückt, damit Schmutz nicht durch Zylinder und Ventile getrieben wird. Servoventile ersetzen Sie durch Spülplatten, Zylinderanschlüsse verbinden Sie mit Spülbrücken zu einem Kreislauf. Als Spülmedium dient in der Regel das spätere Betriebsöl derselben Viskosität, damit keine Mischprobleme entstehen.

Nie durch Pumpe und Ventile spülen, ohne die Sollsauberkeit sicher zu erreichen. Ein separater Spülaggregat oder eine Filtereinheit im Nebenstrom schützt die teuren Bauteile am besten.

Wie spüle ich richtig - Flow, Temperatur und Turbulenz?

Entscheidend ist turbulente Strömung: Nur sie löst Partikel von der Rohrwand und trägt sie zum Filter. Angestrebt wird eine Reynoldszahl über 4000, meist durch das 2- bis 3-fache des Betriebsdurchflusses. Warmes Öl von 40 bis 60 °C senkt die Viskosität und erhöht die Turbulenz zusätzlich. Wärmezyklen und Klopfen an Rohrbögen lösen festsitzenden Zunder.

Turbulent spülen

Flow so wählen, dass die Reynoldszahl über 4000 liegt, oft 2-3x Betriebsdurchfluss.

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Warm fahren

Öl auf 40-60 °C bringen, Wärmezyklen lösen anhaftende Partikel.

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Rohre abklopfen

Bögen und Schweißnähte während des Laufs abklopfen, um Zunder zu lösen.

Beratung anfragen
  • Spülrichtung mehrfach umkehren, damit Toträume und Sacklöcher freigespült werden.
  • Spülfilter regelmäßig prüfen und wechseln, sobald der Differenzdruck steigt.
  • Erst nach stabil erreichter Zielklasse die Verbraucher wieder einbinden.

Wann ist die Anlage sauber genug zur Freigabe?

Die Freigabe erfolgt nicht nach Bauchgefühl, sondern über gemessene Partikelzahlen nach ISO 4406. Mit einem Partikelzähler oder einer Laborprobe wird die Ölsauberkeit im laufenden Betrieb ermittelt. Die Zielklasse muss über mehrere Messungen stabil und mindestens so sauber wie die Vorgabe der empfindlichsten Komponente sein. Erst dann werden Servoventile eingebaut und die Anlage in Betrieb genommen.

Dokumentieren Sie Zielklasse, Messwerte und Filterstand als Spülprotokoll. Das dient als Nachweis für Abnahme, Gewährleistung und spätere Ölpflege im Betrieb.

Häufige Fragen

Kann ich eine neue Hydraulikanlage einfach mit Betriebsöl in Betrieb nehmen?

Besser nicht. Neue Rohre, Tanks und Schläuche enthalten Zunder, Späne und Abrieb. Ohne Spülen treibt dieser Schmutz durch Pumpe und Ventile und verursacht Verschleiß und Frühausfälle. Spülen Sie bis zur geforderten ISO-4406-Klasse, bevor die empfindlichen Verbraucher belastet werden.

Welches Öl nehme ich zum Spülen?

In der Regel das spätere Betriebsöl in gleicher Viskosität, damit keine Mischprobleme entstehen. Wichtiger als ein spezielles Spülöl sind hoher, turbulenter Durchfluss, warme Temperatur und ein feiner Spülfilter im Rücklauf.

Wie lange muss ich spülen?

So lange, bis die gemessene Ölsauberkeit nach ISO 4406 die Zielklasse der empfindlichsten Komponente über mehrere Messungen stabil erreicht. Je nach Anlagengröße und Verschmutzung sind das Stunden bis mehrere Tage. Die Partikelmessung, nicht die Uhr, entscheidet.

Hydraulikanlage sauber in Betrieb nehmen

Unsere Hydraulik-Spezialisten helfen bei Spülkonzept, Zielsauberkeit und Filterauswahl für Ihre Anlage.

Definierte Sauberkeit

Zielklassen nach ISO 4406 statt Bauchgefühl.

Bauteilschutz

Pumpe und Ventile bleiben beim Spülen überbrückt.

Messtechnisch belegt

Freigabe erst nach stabiler Partikelmessung.

Fachberatung

Hydraulik-Spezialisten begleiten die Inbetriebnahme.